Stellvertretender Bildungsminister Kurbatov: Durch den Krieg haben 15-20% der Wissenschaftler ihre Forschung in der Ukraine eingestellt
In der Ukraine haben aufgrund des umfassenden Krieges 15-20% der Wissenschaftler ihre Forschungstätigkeiten eingestellt, darunter 8%, die ins Ausland gegangen sind. Dies berichtete Denis Kurbatov, der stellvertretende Minister für Bildung und Wissenschaft, in einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur 'Interfax-Ukraine'.
In der Ukraine, wo der umfassende Krieg das Land weiterhin belastet, haben 15-20% der Wissenschaftler ihre Forschungsaktivitäten eingestellt. Von diesen 15-20% haben etwa 8% das Land verlassen. Diese alarmierenden Zahlen wurden von Denis Kurbatov, dem stellvertretenden Minister für Bildung und Wissenschaft, in einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur 'Interfax-Ukraine' bekannt gegeben.
Kurbato verwies darauf, dass in der Ukraine zwei Hauptgruppen von Forschern unterschieden werden können: Wissenschaftler, die im akademischen Umfeld tätig sind, und wissenschaftlich-pädagogische Mitarbeiter, die an Universitäten lehren. Er erklärte, dass die erste Gruppe etwa 25.000 Personen umfasst, und zusammen mit den wissenschaftlich-pädagogischen Mitarbeitern beläuft sich die Gesamtzahl der Forscher, die in der wissenschaftlichen Tätigkeit aktiv sind, auf rund 80.000.
Der stellvertretende Minister verglich diese Zahl mit anderen Ländern und betonte, dass die Ukraine eine der niedrigsten Zahlen von Forschern pro 1.000 Einwohner aufweist. Er wies darauf hin, dass der Rückgang dieser Kennzahl seit den 1990er Jahren bis zum Beginn des Krieges andauerte, jedoch die Situation derzeit etwas stabilisiert ist. Kurbatov äußerte die Hoffnung, dass der Umbau der ukrainischen Wirtschaft hin zu einer Wertschöpfungswirtschaft dazu beitragen wird, diese Situation zu ändern.
Auf die Frage, wie es gelungen sei, die Situation mit dem Rückgang der Anzahl der Wissenschaftler zu stabilisieren, nannte Kurbatov mehrere Faktoren. Dazu gehört die veränderte Sichtweise der Wirtschaft und der Unternehmen auf Forscher, insbesondere im militärischen Bereich, da viele Unternehmen wissenschaftliche Forschung benötigen. Zudem wurde eine 100%ige Reservierung für Personen eingeführt, die einen akademischen Grad haben und in der Wissenschaft sowie in der Hochschulbildung tätig sind.
Kurbato betonte, dass der umfassende Krieg einen erheblichen Einfluss auf die Anzahl der Forscher in der Ukraine hatte. Er stellte fest, dass der Krieg insgesamt die Bevölkerungszahl beeinflusst hat, und derzeit kann man von 15-20% der Menschen sprechen, die ihre Forschungstätigkeiten eingestellt haben. Von diesen 15-20% haben etwa 8% das Land verlassen, während andere ihren Beruf gewechselt haben. Dies stellt einen erheblichen Verlust für den wissenschaftlichen Bereich dar. Dennoch, so Kurbatov, bleiben 80-85% der Wissenschaftler in der Ukraine und setzen ihre Arbeit trotz der schwierigen Bedingungen fort.
Darüber hinaus wies der stellvertretende Minister darauf hin, dass in der Ukraine ein Trend zur Alterung der Wissenschaft zu beobachten ist. Die Altersverteilung unter den Wissenschaftlern sieht folgendermaßen aus: Die größte Gruppe besteht aus Personen im Alter von 40 bis 60 Jahren, gefolgt von der Gruppe der über 60-Jährigen, während die Gruppe der unter 40-Jährigen die kleinste ist. Kurbatov betonte, dass, wenn die Bevölkerung insgesamt altert, auch alle Sektoren, einschließlich der Wissenschaft, nicht jünger werden. Er stellte jedoch fest, dass bereits Schritte unternommen werden, um junge Menschen für die Wissenschaft zu gewinnen. Insbesondere ist für dieses Jahr die Einführung eines großen Pilotprojekts geplant – einer Projektpromotion, im Rahmen derer die Stipendien für Doktoranden erheblich erhöht werden, erstmals die Finanzierung von Dissertationen vorgesehen wird und das Interesse der wissenschaftlichen Betreuer sichergestellt wird.
In Bezug auf die Geschlechterbalance in der ukrainischen Wissenschaft erklärte Kurbatov, dass die Situation recht ausgewogen sei. Er betonte, dass dies ein Kriterium für die Eurointegration sei und die Ukraine ein Gleichgewicht von 50% anstreben sollte. Er wies jedoch auch darauf hin, dass es verschiedene Faktoren gibt, die diese Situation beeinflussen, beispielsweise sei es schwieriger, Mädchen in physikalischen Laboren und Jungen in den Geisteswissenschaften zu finden. Dennoch sei das Verhältnis an großen klassischen Universitäten nahezu 50 zu 50, und Mädchen erzielten bedeutende Erfolge in der Wissenschaft, insbesondere in den Naturwissenschaften.
Abschließend wies Kurbatov darauf hin, dass es ein tiefergehendes Problem mit der Geschlechterbalance in der Führungsebene gebe und hier ein Rückstand zu verzeichnen sei. Wie bereits berichtet, hat das Ministerium für Bildung und Wissenschaft Anfang April beschlossen, ein neues Instrument zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit einzuführen – das Institut der internationalen wissenschaftlichen Botschafter.