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Fünf Fragen an den Experten – Professor Kjell Engelbrekt von der Schwedischen Verteidigungsuniversität

Kjell Engelbrekt, ein angesehener Professor für Politikwissenschaft an der Schwedischen Verteidigungsuniversität, beantwortet fünf Fragen der Redaktion der Kyiv Post. In seinen Antworten beleuchtet er die Lehren, die Schweden aus dem Krieg in der Ukraine gezogen hat, die Entscheidung des Landes, der NATO beizutreten, sowie die neuen Realitäten auf dem Schlachtfeld und Schwedens Haltung gegenüber Russland.

Kjell Engelbrekt, ein angesehener Professor für Politikwissenschaft an der Schwedischen Verteidigungsuniversität und Autor zahlreicher Publikationen, beantwortet fünf Fragen der Redaktion der Kyiv Post. In seinen Antworten beleuchtet er die Lehren, die Schweden aus dem Krieg in der Ukraine gezogen hat, die Entscheidung des Landes, der NATO beizutreten, sowie die neuen Realitäten auf dem Schlachtfeld und Schwedens Haltung gegenüber Russland.

Die erste Frage bezieht sich auf die Lehren, die Schweden aus den russischen Invasionen in der Ukraine im Jahr 2014 und 2022 gezogen hat. Engelbrekt stellt fest, dass Schweden bis 2014 nicht genug Aufmerksamkeit auf die Absichten der Russischen Föderation gelegt hat. Obwohl es im Land Fachleute gab, die die steigenden Verteidigungsausgaben und militärischen Reformen beobachteten, blieb diese Information in einem begrenzten Kreis von Personen.

Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 stieg das allgemeine Bewusstsein für die Entwicklungen in der russischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik erheblich. Laut Engelbrekt wurde das Wissen über die Bedrohungen durch Russland seitdem breiter gefächert. Das tatsächliche Bewusstsein für die Absichten Russlands kam jedoch erst im Februar 2022, als die meisten Schweden schockiert waren, dass Russland einen großangelegten Krieg begonnen hatte, wodurch es seine Reputation und Wirtschaft aufs Spiel setzte. Dies war ein entscheidender Faktor dafür, dass Schweden beschloss, eine NATO-Mitgliedschaft zu suchen.

Die zweite Frage betrifft die Veränderung der Haltung der schwedischen Gesellschaft gegenüber der NATO nach 2022. Engelbrekt betont, dass Schweden im Februar 2022, als es noch kein NATO-Mitglied war, eine gewisse Handlungsfreiheit hatte. Das Land war nicht verpflichtet, sich mit Brüssel oder Washington abzusprechen, was es ihm ermöglichte, schnell politische Entscheidungen über militärische Unterstützung für die Ukraine zu treffen.

Nachdem Schweden 2024 offiziell der NATO beigetreten ist, wurde es in seinen Handlungen nicht mehr eingeschränkt. Die meisten Länder des Bündnisses waren erfreut, dass Schweden Teil der Staaten wurde, die die Ukraine unterstützen. Dies zeugt von der wachsenden Rolle Schwedens in der internationalen Sicherheit und seinem Engagement gegenüber den Verbündeten.

Der Kontext dieser Situation ist ebenfalls wichtig. Der Krieg in der Ukraine wurde zum Katalysator für viele Länder, die zuvor skeptisch gegenüber der NATO eingestellt waren. Schweden, das traditionell Neutralität wahren wollte, erkannte schließlich, dass die Sicherheit des Landes und der Region von kollektiver Verteidigung abhängt. Dies wurde zu einer wichtigen Lektion, die Schweden aus dem anhaltenden Konflikt gezogen hat.

Somit unterstreichen Engelbrekts Antworten nicht nur die Veränderungen in der Militärpolitik Schwedens, sondern auch ein tieferes Verständnis der Bedrohungen, die den Ländern Europas gegenüberstehen. Der Krieg in der Ukraine wurde zu einer entscheidenden Lektion für den gesamten Kontinent, und Schweden scheint bereit zu sein, sich an die neuen sicherheitspolitischen Realitäten anzupassen.