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Experten sind der Meinung, dass die Ukraine sich an neue Bedingungen auf dem Kraftstoffmarkt anpassen muss

Die Ukraine steht vor ernsthaften Herausforderungen in der Versorgung mit Erdölprodukten, da die Abhängigkeit von Importen nahezu 100 % erreicht hat, so Andrij Pivovar, Geschäftsführer von WOG Holding BV.

Heute sieht sich die Ukraine mit erheblichen Herausforderungen im Bereich der Versorgung mit Erdölprodukten konfrontiert, da die Abhängigkeit von Importen von leichten Erdölprodukten und verflüssigtem Gas (LPG) nahezu 100 % erreicht hat. Dieser Umstand ist entscheidend für das Verständnis der aktuellen Situation auf dem Kraftstoffmarkt, betont Andrij Pivovar, Geschäftsführer von WOG Holding BV.

Die interne Produktion von Erdölprodukten in der Ukraine ist kein stabiles Versorgungsquelle, da ständige Angriffe und Bombardierungen das normale Funktionieren behindern. Heute kann die Produktion aktiv sein, während sie morgen für längere Zeit zum Stillstand kommen kann. Dies macht eine Planung praktisch unmöglich, weshalb der Import zur Hauptstütze für die Deckung des Bedarfs des Landes wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, an den sich der Markt anpassen musste, ist die Notwendigkeit, mehr Erdölprodukte zu kaufen als benötigt werden, und mehr einzuführen, als konsumiert wird. Seit Anfang 2022 ist es offensichtlich, dass ein Teil des Produkts aufgrund der Kampfhandlungen zerstört werden kann. Gleichzeitig ist die Schaffung erheblicher Vorräte im Land eine äußerst komplexe Aufgabe, da diese im Falle von Bombardierungen schnell „verbraucht“ werden.

Früher konnte man von einer sicheren Lagerung von Erdölprodukten im Ausland sprechen, doch selbst dies ist keine Garantie mehr. Zum Beispiel hat Rumänien bereits Beschränkungen für den Export und Transit von Erdölprodukten eingeführt, was die Situation weiter kompliziert. Darüber hinaus haben fast alle internationalen Lieferanten nach den weltweiten Spannungen die Preise für ihre Produkte erhöht, und die Transportunternehmen haben die Tarife angehoben.

Wenn die Ukraine von Importen abhängig ist, dann hängt die Preisgestaltung für Kraftstoffe im Land direkt von den Schwankungen der Weltmarktpreise ab. Dies führt dazu, dass die Preise in Hrywnja schnell auf globale Veränderungen reagieren. Zum Beispiel schloss die ICE-Börse in London am vergangenen Freitag für Diesel bei über 1.520 US-Dollar pro Tonne. Im März stieg der Preis um mehr als das Doppelte, was zu der logischen Frage führt: Wie sollten die Preise an den ukrainischen Tankstellen reagieren?

Dieser Anstieg erfolgt ohne Berücksichtigung des Umlaufkapitals, der Abschreibungen und der Wiederherstellung der Zerstörungen. Dennoch sind die Preise in der Ukraine nicht innerhalb eines Monats um das Doppelte gestiegen. Sowohl staatliche als auch geschäftliche Strukturen erkennen die Sensibilität der Situation und arbeiten daran, den Preisschock für die Verbraucher abzumildern.

In vielen europäischen Ländern senken die Regierungen die Mehrwertsteuer (MwSt.) und die Verbrauchsteuern, führen Preisregulierungen ein und fordern die Bevölkerung auf, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren. Die Senkung der Steuerlast hilft tatsächlich den Haushalten. In der Ukraine ist dies jedoch deutlich schwieriger umzusetzen. Paradoxerweise erhält der Staat aufgrund der hohen Preise durch den Import deutlich mehr MwSt., sodass eine Senkung der Steuerlast nicht so einfach ist.

Was könnten also die Lösungen in dieser Situation sein? Eine der Optionen ist Cashback. Dies ist eine Methode, um Haushalten einen Teil der Einnahmen aus der MwSt. zurückzugeben, ohne die Steuern formal zu senken. Die Ukraine ist eines der wenigen Länder, das technisch in der Lage ist, diese Idee dank der Plattform „Dija“ umzusetzen.

Eine administrative Preisbegrenzung ist keine Option, da die Ukraine diesen Weg bereits im Jahr 2022 gegangen ist, was zu einem Mangel führte. Der Staat zieht jetzt Lehren daraus und arbeitet gemeinsam mit dem Markt daran, die Verfügbarkeit des Produkts ohne Einschränkungen sicherzustellen. Die Unternehmen werden ihr Bestes tun, um den Markt zu sättigen, selbst wenn ein Teil der Infrastruktur regelmäßig zerstört wird. Wir werden weiterhin Erdölprodukte immer wieder liefern.

Dennoch bleibt dem Staat immer ein „Trumpf im Ärmel“ – die Senkung der MwSt. und der Verbrauchsteuern, falls die Weltmarktpreise weiter steigen. Diese Strategie könnte ein wichtiges Instrument zur Unterstützung der Wirtschaft und der Verbraucher in Zeiten globaler Instabilität werden.