Wal-Knochen entpuppen sich als "Tresore" mit Überresten antiker Haiwaffen
Paleontologen des Belgischen Instituts für Naturwissenschaften (RBINS) haben bei CT-Scans von Wal-Schädeln, die am Grund nahe Antwerpen gefunden wurden, überraschende Entdeckungen gemacht.
Paleontologen des Belgischen Instituts für Naturwissenschaften (RBINS) haben bei detaillierten CT-Scans von Wal-Schädeln, die am Grund des Meeres in der Nähe von Antwerpen entdeckt wurden, bemerkenswerte Ergebnisse erzielt. Diese Untersuchungen haben ergeben, dass die Schädel der Wale als eine Art "Tresor" dienten, in dem Überreste antiker Haiwaffen aufbewahrt wurden. Die Wissenschaftler fanden Fragmente von Zähnen, die tief in das Knochengewebe eingewachsen waren, was es ihnen ermöglichte, die Raubtiere zu identifizieren, ohne die Fossilien aufschneiden zu müssen.
Olivier Lambert, der Hauptautor der Studie, betonte, dass diese Funde eine seltene Gelegenheit bieten, einen Blick auf die letzten Lebensdetails dieser Giganten zu werfen, die zuvor als verloren galten. Die technische Untersuchung offenbarte zwei völlig unterschiedliche Jagdstrategien, die auf eine Vielfalt der Interaktionen zwischen Walen und Haien in der Urzeit hinweisen.
Im ersten Fall entdeckten die Paleontologen im Schädel eines ausgestorbenen Glattwals Spuren eines Bisses von einem Sechskiemerhai, der auch als Kuhhai bekannt ist. Die Bissspuren auf der Oberseite des Schädels deuten darauf hin, dass der Wal bereits tot war und mit dem Bauch nach oben im Ozean trieb. Der Hai fraß systematisch Stücke aus dem toten Körper und zeigte damit ein marodierendes Verhalten.
Das zweite Szenario erwies sich als deutlich aggressiver. Im Schädel eines Monodon, einem Verwandten des modernen Belugas, fanden die Wissenschaftler einen Zahnabdruck eines Verwandten des großen Weißen Hais. Dieser Raubfisch hatte gezielt den Schnabel angegriffen, wo sich der Melon – ein fetthaltiges Organ – befindet. Dies deutet darauf hin, dass der Hai wusste, wo sich der nährstoffreichste Teil des Opfers befand, und professionell vorging.
Heute sind im südlichen Teil der Nordsee keine Sechskiemerhaie oder großen Weißen Haie mehr zu beobachten. John Stewart von der Universität Bournemouth, der einen der Schädel bereits in den 80er Jahren fand, hebt die Bedeutung der physischen Beweise hervor, die durch diese Untersuchung gewonnen wurden. Er merkt an: "Normalerweise formulieren wir Hypothesen auf der Grundlage leerer Annahmen, aber hier haben wir echte Werkzeuge, mit denen diese Bisse gemacht wurden."
Tatsächlich erhielten die Wissenschaftler eine paläontologische "Röntgenaufnahme" eines Ökosystems, das vor Millionen von Jahren verschwunden ist. Diese Funde eröffnen neue Horizonte für das Verständnis der evolutionären Veränderungen in marinen Ökosystemen sowie der Interaktionen zwischen verschiedenen Arten. Heute versuchen die Forscher vorherzusagen, ob diese zahnbewehrten Giganten an die Küsten Europas zurückkehren könnten, falls die globale Erwärmung die Wassertemperaturen wieder auf das Niveau der Pliozän-Epoche anhebt.