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Funde einer goldenen Münze aus dem 9. Jahrhundert in Norfolk werfen Fragen bei Numismatikern auf

Der Fund einer goldenen Münze aus dem 9. Jahrhundert, entdeckt in der Nähe des Dorfes Danton in Norfolk, hat unter Numismatikern großes Interesse geweckt, da das Bildnis von Johannes dem Täufer auf dem Artefakt den damaligen Kanonen Westeuropas vollkommen widerspricht.

Der Fund einer goldenen Münze aus dem 9. Jahrhundert, entdeckt in der Nähe des Dorfes Danton in Norfolk, hat unter Numismatikern großes Interesse geweckt, da das Bildnis von Johannes dem Täufer auf dem Artefakt den damaligen Kanonen Westeuropas vollkommen widerspricht. Diese Münze, die von einem gewöhnlichen Schatzsucher gefunden wurde, hat bereits den Status "einzigartig und geheimnisvoll" erlangt.

Der Numismatik-Experte Simon Coupland charakterisierte diesen Fund in einem Interview mit der BBC als "bizarr", da es keine dokumentierten Analogien aus dieser Zeit gibt. Technisch gesehen handelt es sich um einen goldenen Anhänger, der nach dem Vorbild des Solidus – einer Münze aus der späten römischen und byzantinischen Zeit – hergestellt wurde.

Auf einer Seite des Anhängers ist deutlich das bärtige Profil zu erkennen, das durch eine lateinische Inschrift als Johannes der Täufer identifiziert wird. Auf der Rückseite ist ein Textfragment erhalten, das sich als "Täufer und Evangelist" übersetzen lässt. Die Tatsache, dass eine religiöse Figur auf einer Münze aus der karolingischen Epoche abgebildet ist, stellt eine Anomalie dar, da in dieser Region im 9. Jahrhundert auf Geldstücken üblicherweise ausschließlich die Profile von Königen und Kaisern geprägt wurden. Darstellungen von Heiligen oder Christus waren das Vorrecht des weit entfernten Byzanz.

Der Stil der Buchstaben auf der Münze deutet darauf hin, dass das Objekt in den 860er oder 870er Jahren hergestellt wurde. Dies verleiht der Geschichte eine besondere Schärfe, da das Königreich Ostanglien um das Jahr 870 von Wikingern überfallen wurde. Die skandinavischen Siedler waren zu dieser Zeit noch Heiden, was die logische Frage aufwirft: Warum sollten sie ein Schmuckstück mit dem Bild des Hauptpropheten des Christentums tragen oder herstellen? Simon Coupland vergleicht den Versuch, diesen Anhänger in die uns bekannte Geschichte einzuordnen, mit "einem Kind, das versucht, einen Sechseck in ein quadratisches Loch zu stecken".

Derzeit durchläuft der Anhänger das offizielle Bewertungsverfahren gemäß dem britischen Gesetz über Schätze. Sollte der Gerichtsmediziner seinen Status bestätigen, erhält das Norwich Castle Museum das Recht, das Objekt zu erwerben, das bereits ernsthaftes Interesse an der Erweiterung seiner Sammlung gezeigt hat. Dieser Fund könnte ein wichtiges Element für das Studium der Geschichte und Kultur dieser Zeit darstellen, da er die traditionellen Vorstellungen über die religiösen und kulturellen Beziehungen zwischen verschiedenen Völkern in der Wikingerzeit infrage stellt.