Geheimdienst: Kreml baut Polizeistaat - FSB erhält erweiterte Befugnisse
Die ukrainische Auslandsnachrichtendienst hat Informationen veröffentlicht, die darauf hindeuten, dass der Kreml aktiv an der Schaffung eines Polizeistaates arbeitet. Laut den erhaltenen Daten zeigt Russland offen, dass es die Befugnisse des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) auf allen Ebenen ausweitet.
Die ukrainische Auslandsnachrichtendienst hat kürzlich alarmierende Informationen veröffentlicht, die belegen, dass der Kreml intensiv an der Etablierung eines Polizeistaates arbeitet. Diese Erkenntnisse zeigen, dass Russland seine Absichten nicht mehr verbirgt und offen demonstriert, dass die Befugnisse des Föderalen Sicherheitsdienstes (FSB) in einem beispiellosen Ausmaß ausgeweitet werden.
Bereits im ersten Quartal 2023 wurden die Befugnisse des FSB mindestens fünfmal erweitert, was einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu den letzten zwei Jahren darstellt. Diese neuen Befugnisse sind nahezu unbegrenzt und erstrecken sich über verschiedene Bereiche, darunter Wissenschaft, Finanzen, Telekommunikation, Bewegungsfreiheit und die physische Inhaftierung von Personen.
Ein besonders besorgniserregender Aspekt ist, dass die russische Geheimdienstbehörde seit Februar 2023 das Recht hat, nach eigenem Ermessen den Bürgern den Zugang zu Kommunikation und Internet zu verwehren. Solche Maßnahmen wurden bereits in mehreren Stadtteilen Moskaus dokumentiert und werden mittlerweile als normal angesehen. Die Unterbrechung der Kommunikationsverbindungen ist zu einem alltäglichen Phänomen geworden, das ernsthafte Bedenken in der Bevölkerung hervorruft.
Im März 2023 wurden in Moskau sogenannte „weiße Listen“ von Ressourcen eingeführt, die während eines Mobilfunk-Internetausfalls zugänglich sind. Die FSB entscheidet darüber, welche Webseiten für die Nutzer weiterhin verfügbar bleiben, was auf einen strengen Kontrollmechanismus über den Informationsraum hinweist.
Darüber hinaus hat die FSB nun auch offiziell das Recht, eigene Untersuchungshaftanstalten zu eröffnen, obwohl solche Einrichtungen de facto bereits existierten. Beispiele hierfür sind das „Lefortowo“ und das Untersuchungshaftzentrum Taganrog-2, in denen ukrainische Gefangene festgehalten werden und die nie aus dem Einflussbereich der FSB herausgefallen sind. Diese neuen Befugnisse sind nun auch auf Papier festgehalten, was den wachsenden Einfluss der Geheimdienste auf das Justizsystem unterstreicht.
Der Informationsperimeter wird aus mehreren Richtungen eingeengt. Wissenschaftliche und Bildungseinrichtungen in Russland, sowohl staatliche als auch private, sind verpflichtet, ihre Forschungspläne, die die Teilnahme von Ausländern oder ausländischen Unternehmen vorsehen, in eine zentrale Datenbank einzutragen. Betreiber kritischer Infrastrukturen sind verpflichtet, rund um die Uhr Daten über Cyberangriffe an die FSB zu übermitteln, was die Kontrolle über die Informationssicherheit weiter verstärkt. Die Frist für die obligatorische Speicherung von Daten durch Plattformen wurde von einem auf drei Jahre verlängert, was zu einer Zunahme der Datensätze über Bürger führt.
Seit dem vergangenen Jahr sind russische Universitäten verpflichtet, internationale Verträge mit der FSB abzustimmen, was ihre Autonomie erheblich einschränkt. Zudem wurden im Jahr 2022 Strafen für die Suche nach „offensichtlich extremistischen Materialien“ eingeführt, was die Meinungsfreiheit weiter einschränkt. Banken wurden als „Organisatoren der Verbreitung von Informationen“ klassifiziert und sind daher verpflichtet, die Korrespondenz ihrer Kunden auf Anfrage der FSB zu speichern und bereitzustellen.
Im Jahr 2024 erhielt die FSB das Recht, an der Auswahl von Wehrpflichtigen teilzunehmen und personenbezogene Daten von Militärangehörigen ohne deren Zustimmung zu verarbeiten, was ernsthafte Bedenken hinsichtlich des Schutzes der Bürgerrechte aufwirft. Eine weitere Ausweitung der Befugnisse der Geheimdienste ist nicht geplant. Bereits jetzt bereitet sich die FSB darauf vor, den Import und Export jeglicher Überwachungsgeräte und -software zu kontrollieren, spezifische Geräte in schwarze Listen von IMEI aufzunehmen und russische Modelle von Künstlicher Intelligenz auf ihre „Souveränität“ zu überprüfen, sprich auf ihre Eignung zur Anwendung gegen die eigene Bevölkerung.
Wie bereits berichtet, hat Russland faktisch die Bildung eines Systems abgeschlossen, bei dem der Zugang zur Hochschulbildung für die Mehrheit der Bevölkerung an den Militärdienst gebunden ist. Dies deutet auf tiefgreifende Veränderungen in der Gesellschaft und der staatlichen Politik hin, die weitreichende Folgen für die Zukunft des Landes haben könnten.
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