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Moskauer Gericht verurteilt deutschen Bildhauer Jacques Tilly zu 8,5 Jahren Haft für Kritik an der russischen Armee

Am 2. April 2023 wurde der deutsche Bildhauer und Karnevalskünstler Jacques Tilly in Moskau zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, was international für Aufsehen sorgte und erneut die Repression gegen die Meinungsfreiheit in Russland verdeutlicht.

In der russischen Hauptstadt Moskau fand am 2. April 2023 eine Gerichtsverhandlung statt, in der der deutsche Bildhauer und Schöpfer von Karnevalsplattformen, Jacques Tilly, zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde. Dieses Urteil sorgte für einen erheblichen Aufschrei in der internationalen Gemeinschaft, da es ein weiteres Beispiel für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in Russland darstellt.

Wie aus Berichten des Nachrichtenportals Deutsche Welle hervorgeht, erkannte der Richter Konstantin Otschirov Tilly der „Beleidigung der Gefühle von Gläubigen“ und der Verbreitung von „Falschinformationen“ über die russische Armee für schuldig. Es ist wichtig zu betonen, dass der Bildhauer selbst nicht an der Verhandlung teilnahm, und seine vom Staat bestellte Verteidigung forderte ein vollständiges Freispruch aufgrund mangelnder Beweise für seine Schuld. Tillys Anwältin berichtete, dass sie vergeblich versucht hatte, über die deutsche Botschaft Kontakt zu ihrem Mandanten aufzunehmen, und dass seine Position im Gericht praktisch nicht gehört wurde.

Zusätzlich zur Hauptstrafe wurde Tilly von dem Moskauer Gericht auch auferlegt, eine Geldstrafe in Höhe von etwa 2.000 Euro zu zahlen. Darüber hinaus wurde ihm für vier Jahre die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit untersagt. Es ist erwähnenswert, dass Vertreter des Putin-Regimes eine Haftstrafe von neun Jahren sowie eine Geldstrafe und ein Berufsverbot für den kreativen Akteur gefordert hatten.

Im Verlauf des Gerichtsverfahrens wurden gegen Tilly wiederholt Vorwürfe wegen „Beleidigung des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin“, erhoben. Nach der Urteilsverkündung kritisierte die deutsche Botschaft in Moskau die Entscheidung des Gerichts scharf und erklärte, dass „das Urteil gegen Jacques Tilly zeigt, dass die Kriminalisierung und Verfolgung der Meinungsfreiheit durch die russische Regierung weiterhin unvermindert fortschreitet – und nun zunehmend auch im Ausland“. Der deutsche Botschafter in Russland, Alexander Lambsdorff, betonte, dass dieses Thema Deutschland direkt betreffe.

Die deutschen Diplomaten bezeichneten die Situation um Tilly als „absurde Farce“ und versicherten, dass sie weiterhin die Meinungsfreiheit, Kunst und Satire verteidigen würden. Der Bildhauer selbst reagierte sarkastisch auf das Urteil und bemerkte: „Jetzt sieht jeder, dass das russische Regime Angst vor Figuren aus Pappmaché von Tilly hat. Mit diesem Urteil machen sie sich selbst zum Gespött.“ Er hob zudem hervor, dass die Kritik an den Mächtigen in einer freien Gesellschaft natürlich sei.

Es ist erwähnenswert, dass Wladimir Putin, der Präsident Russlands, bereits mehrfach Ziel von bissiger Satire seitens Jacques Tilly geworden ist. Der Bildhauer stellte Putin in verschiedenen provokanten Situationen dar, unter anderem in einer blutigen Badewanne in den Farben der ukrainischen Flagge sowie in Szenen, die die Aggressionsversuche Russlands gegen die Ukraine illustrieren. Nach einem solchen Vorfall wurde im Dezember 2025 ein Strafverfahren gegen Tilly in Russland eingeleitet.

Abschließend äußerte Tilly seine Meinung zur Situation und stellte fest: „Im Grunde genommen geht es nur um Putin. Er hat die Macht in Russland, er bestimmt die Hauptlinien der Politik. Man kann über Satire wütend sein oder lachen, aber man sollte nicht versuchen, sie mit juristischen Mitteln zum Schweigen zu bringen! Das ist einfach unwürdig – für jeden Führer, sei er autoritär oder demokratisch.“ Diese Worte unterstreichen die Bedeutung der Meinungsfreiheit und der Kunst in der Gesellschaft und decken die repressive Natur des herrschenden Regimes in Russland auf.