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Kaffee als Teil der Kultur: Eine Reise durch die Kaffeestädte Europas

Kaffee ist längst mehr als nur ein Getränk. In Europa ist er zu einem unverzichtbaren Bestandteil der urbanen Kultur geworden, der langsamen Begegnungen, einem Symbol des intellektuellen Lebens und sogar einem Grund für Reisen.

Kaffee ist längst mehr als nur ein Getränk. In Europa ist er zu einem unverzichtbaren Bestandteil der urbanen Kultur geworden, der langsamen Begegnungen, einem Symbol des intellektuellen Lebens und sogar einem Grund für Reisen. Jedes Stadt hat seinen einzigartigen Stil, Geschmack und Atmosphäre, die die Kaffeekultur vielfältig und spannend machen. Wie National Geographic feststellt, reicht die Palette von den historischen Wiener Kaffeehäusern mit ihren Marmorsäulen bis hin zu den skandinavischen Specialty-Bars mit hellen Röstungen, die die Vielfalt der europäischen Kaffeekultur beeindruckend widerspiegeln.

Wenn man von einer Stadt spricht, die als Symbol der Kaffeekultur gelten kann, dann ist das ohne Zweifel Wien. Hier, im 19. Jahrhundert, wurden die Kaffeehäuser Teil der nationalen Identität und in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Wiener Kaffeehäuser, wie das Cafe Frauenhuber, wo man den klassischen Wiener Melange – eine sanfte Variante des Cappuccinos mit Sahne – genießen kann, sind zu wahren kulturellen Zentren geworden.

Das berühmte Cafe Central, mit seinen gewölbten Decken und Marmorsäulen, bietet einen besonders schmackhaften Einspänner – Espresso mit Schlagsahne. Für Dessertliebhaber ist ein Besuch im Demel empfehlenswert, wo man Kaiserschmarrn und die hauseigenen Backwaren genießen kann, oder im Cafe Landtmann, wo Apfelstrudel mit einer Brauner serviert wird. Das moderne Wien wird am besten durch GOTA Coffee Experts repräsentiert – ein Ort, an dem Klassik auf einen Specialty-Ansatz trifft, mit Cold Brew und Kaffee-Cocktails.

Kopenhagen hingegen hat sich als Anlaufstelle für diejenigen etabliert, die den reinen Geschmack der Bohne und komplexe fruchtige Noten schätzen. Hier ist besonders das helle skandinavische Rösten beliebt, das die natürliche Säure des Kaffees betont. Die wichtigsten Anlaufstellen auf der Karte der Kaffeehäuser sind Coffee Collective, Prolog Coffee und Darcy’s Kaffe, wo die Bohnen mit fast laborähnlicher Präzision ausgewählt werden. Im Andersen & Maillard kombiniert man eine Specialty-Kaffeebar mit einer handwerklichen Bäckerei, wo man nicht nur Kaffee, sondern auch perfekte Mandelcroissants und dänische Gebäckstücke probieren kann.

Die Pariser Kaffeehauskultur ist ein eigenes Genre. Man kann sich die Stadt ohne Tische auf den Bürgersteigen, Zeitungen, langsame Gespräche und eine Tasse café au lait nicht vorstellen. Die legendären Les Deux Magots und Cafe de Flore an der linken Seine-Seite haben die Atmosphäre der Epoche bewahrt, als hier über die Philosophie und Literatur von Simone de Beauvoir und Ernest Hemingway diskutiert wurde. Le Procope, das älteste Café von Paris, erinnert immer noch an die Zeiten von Voltaire und Rousseau – mit roten Wänden, Goldverzierungen und schweren Kronleuchtern.

Für diejenigen, die einen modernen Ansatz bevorzugen, sind Tanat und Substance Cafe die richtige Wahl, wo man auf Monosorten und lokale Röstungen setzt. In Istanbul ist Kaffee nicht nur ein Getränk, sondern Teil des kulturellen Codes der Stadt. Hier wird er in einer seit dem 16. Jahrhundert verwendeten Cezve zubereitet, und die Tradition des türkischen Kaffees ist ebenfalls von der UNESCO anerkannt. Der feine Mahlgrad, die langsame Zubereitung und die dichte Textur erzeugen den unverwechselbaren Geschmack, der mit nichts anderem verwechselt werden kann. Für die Klassiker sollte man Hafiz Mustafa 1864 oder Kurukahveci Mehmet Efendi besuchen, wo der Kaffee mit Lokum und orientalischen Süßigkeiten serviert wird.

Das moderne Istanbul versteht es auch, mit neuen Formaten zu arbeiten: Petra Roasting Co und Montag Coffee verbinden Tradition mit Cold Brew, kreativen Lattes und Specialty-Bohnen. Der spanische café con leche ist einer der bekanntesten Kaffee-Klassiker Europas. In Madrid genießt man ihn besonders gerne in alten Salon-Kaffeehäusern, wo es scheint, als wäre die Zeit stehen geblieben. Das Cafe Comercial, das seit dem 19. Jahrhundert in Betrieb ist, bleibt einer der atmosphärischsten Orte der Stadt. Für eine bohemische Ästhetik sollte man das Cafe Manuela besuchen, während das Ajenjo Cafe die Atmosphäre des alten Madrid verkörpert.

Ein besonderes Merkmal der lokalen Tradition ist torrefacto, eine Röstmethode mit Zucker, die den Bohnen eine karamellige Bitterkeit verleiht. Wer einen reineren Geschmack bevorzugt, sollte Toma Cafe, Hola Coffee und La Bicicleta ausprobieren. In Schweden ist Kaffee eine tägliche soziale Pause, bekannt als fika. Es ist mehr als nur eine Unterbrechung: Hier vereint Kaffee die Menschen, verlangsamt den Rhythmus des Tages und schafft eine besondere Alltagsphilosophie. Die ideale Begleitung sind Zimtschnecken, Kardamontgebäck und Prinzessinnentorte. Für das beste Specialty-Erlebnis sollte man Drop Coffee, Cafe Pascal und Johan & Nyström aufsuchen, die mit Bohnen von kleinen, unabhängigen Bauern und eigener Röstung arbeiten.

Obwohl Italien mit Kaffee gleichgesetzt wird, kann Triest als die „kaffeereichste“ Stadt bezeichnet werden. Historisch war es der wichtigste Seehafen für die Lieferung von Bohnen nach Europa und wurde später zur Heimat der berühmten Kaffeeindustrie. Hier sehen die Kaffeehäuser aus wie Museen: Stuck und Cherubim im Antico Tommaseo, eine bibliotheksartige Atmosphäre im Caffe San Marco und spiegelnde Interieurs im Caffe degli Specchi. Ein besonderes lokales Ritual ist es, einen capo in B zu bestellen, einen Espresso mit Milchschaum in einem kleinen Glas. Um zu verhindern, dass das Koffein zu stark wirkt, nehmen die Einheimischen traditionell strucolo oder presnitz mit Nussfüllung dazu.