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Forschung belegt den Einsatz von Bögen und Pfeilen durch frühe Menschen in Westeuropa

Neue Studien zeigen, dass die ersten Homo sapiens, die vor etwa 40.000 Jahren in Westeuropa lebten, möglicherweise über ein deutlich leistungsfähigeres Waffenarsenal verfügten als bisher angenommen.

Die ersten Vertreter von Homo sapiens, die sich vor etwa 40.000 Jahren in Westeuropa niederließen, könnten über ein deutlich leistungsfähigeres Arsenal an Waffen verfügt haben, als es bislang in der wissenschaftlichen Gemeinschaft angenommen wurde. Bisher ging man davon aus, dass die damaligen Jäger und Sammler sich lediglich auf Speere und Wurfgeschosse beschränkten. Doch neue ballistische Experimente, deren Ergebnisse im renommierten Journal iScience veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass Bögen und Pfeile möglicherweise bereits zu Beginn des oberen Paläolithikums Teil ihrer alltäglichen Ausrüstung waren.

Die Untersuchung prähistorischer Waffen gestaltet sich als schwierig, da organische Materialien wie Holz für die Herstellung von Bögen oder Fasern für die Sehnen längst zerfallen sind und bis heute nicht erhalten geblieben sind. Die einzigen überlieferten Beweise sind die aus Stein, Horn und Elfenbein gefertigten Spitzen, die Archäologen an den Fundstätten alter Lagerstätten entdecken.

Um die neue Theorie zu überprüfen, stellten die Wissenschaftler präzise Nachbildungen von Funden aus archäologischen Stätten in Spanien, Frankreich und Tschechien her. Die Forscher führten 191 Experimente durch, bei denen sie aus unterschiedlichen Entfernungen auf Tierkadaver schossen, um die Abnutzungs- und Schlagspuren an den Spitzen zu vergleichen. Diese Experimente ermöglichten es den Wissenschaftlern, neue Daten über Jagdmethoden und den Einsatz von Waffen in prähistorischen Zeiten zu gewinnen.

Die Ergebnisse der Experimente zeigten, dass die charakteristischen Schäden an den knöchernen Werkzeugen sowohl bei der Verwendung eines Speeres als auch beim Schießen mit einem Bogen identisch sind. Diese Entdeckung stellt die Theorie einer ausschließlich „speerenbasierten“ Evolution der Waffen der Aurignacien-Kultur in Frage. Die Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die frühen Menschen möglicherweise gleichzeitig verschiedene Technologien einsetzten, um sich an die unterschiedlichen Lebensräume und Wildarten während ihrer Besiedlung Eurasiens anzupassen.

Obwohl bislang keine direkten Beweise in Form von Bogenteilen gefunden wurden, deutet die Vielfalt der Formen der Spitzen auf komplexe Befestigungssysteme hin, die spezifisch für Pfeile sind. Diese Entdeckung könnte unser Verständnis vom technologischen Fortschritt der frühen Menschen und ihrer Anpassungsfähigkeit an Bedingungen, die unterschiedliche Ansätze zur Jagd erforderten, grundlegend verändern.

Somit eröffnen die neuen Daten über den Einsatz von Bögen und Pfeilen durch unsere Vorfahren neue Horizonte in der Erforschung der Archäologie und Paläontologie und bieten die Möglichkeit, besser zu verstehen, wie Menschen mit ihrer Umgebung interagierten und ihre Technologien über Jahrtausende hinweg entwickelten.