Anpassung des Agrarsektors an EU-Vorgaben für Pflanzenschutzmittel könnte jährliche Verluste von 2 Milliarden Dollar verursachen – Staatssekretär
Laut Taras Vysotsky, dem stellvertretenden Minister für Wirtschaft, Umwelt und Landwirtschaft der Ukraine, könnte die Anpassung des ukrainischen Agrarsektors an die europäischen Standards für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu jährlichen Verlusten von mindestens 2 Milliarden Dollar führen.
In einem Interview mit der Online-Plattform delo.ua erläuterte Taras Vysotsky, dass der Übergang des ukrainischen Agrarsektors zu europäischen Standards für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) rund 10 Millionen Hektar betreffen wird, was etwa 40% der gesamten Ackerflächen in der Ukraine entspricht. Diese Anpassung könnte erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen haben, da sie zu jährlichen Verlusten von mindestens 2 Milliarden Dollar führen könnte.
Vysotsky betonte, dass die schrittweise Harmonisierung der ukrainischen Gesetzgebung mit den Vorschriften der Europäischen Union die Eliminierung riskanter Wirkstoffe vom Markt sowie die Einführung integrierter Pflanzenschutzmethoden umfasst. Diese Veränderungen könnten kurzfristig zu einem Rückgang der Erträge von durchschnittlich bis zu 20% führen. So wird beispielsweise für Mais ein Rückgang von 13% prognostiziert, während bei Sonnenblumen sogar ein Rückgang von bis zu 26% erwartet wird.
Der stellvertretende Minister wies darauf hin, dass die steigenden Produktionskosten, die zwischen 70 und 150 Euro pro Hektar geschätzt werden, nicht nur auf teurere Pflanzenschutzmittel zurückzuführen sind. Der Prozess ist komplex und wird durch den Übergang zu teureren oder biologischen Alternativen sowie die Notwendigkeit zusätzlicher technologischer Maßnahmen verursacht. Zudem spielt das vorübergehende Absinken der Erträge während der Übergangsphase eine wesentliche Rolle in diesem Prozess.
Vysotsky betonte, dass die Unterstützung der Landwirte eine grundlegende Position der Regierung darstellt. Er hob hervor, dass die Europäische Union niemals ökologische Anforderungen ohne finanzielle Instrumente zur Unterstützung der Landwirte einführt. Die Ukraine verfolgt einen ähnlichen Ansatz, und im Rahmen der Umsetzung neuer Gesetzgebungen werden Mechanismen zur Kostenerstattung, zur Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe sowie zur Minderung von Ertragsverlusten während der Übergangsphase implementiert.
Der zentrale Punkt der Reform, so der stellvertretende Minister, besteht nicht darin, die Agrarproduktion zu verteuern, sondern in der Schaffung eines wettbewerbsfähigen Modells, das den ukrainischen Produzenten einen vollständigen Zugang zum Binnenmarkt der Europäischen Union ermöglicht. Vysotsky sieht dies als einen wichtigen Schritt zur Integration des ukrainischen Agrarsektors in die europäische Wirtschaft.
Es sei daran erinnert, dass die vollständige Anpassung der ukrainischen Agrargesetzgebung an die EU-Normen bis 2028 abgeschlossen sein soll. In den Jahren 2026-2027 wird der Schwerpunkt auf der Umsetzung von Vorschriften liegen, die sich mit der Lebensmittelsicherheit, dem Tierschutz und der Ökologisierung des Agrarsektors befassen.